Interkulturelle Kinderfreizeit des evangelischen Kirchenkreises An Nahe und Glan
Schlagwörter: Boos, Evangelischen Kirchenkreises, Kinderfreizeit, OB
Beim Spiel, in der Küche und im Gespräch finden Kinder aus verschiedenen Kulturen in einer Freizeit des evangelischen Kirchenkreises An Nahe und Glan zusammen. Jeden Sommer gibt es eine Neuauflage des Erfolgsmodells.
„Das Gerüst ist aus Plastik – das ist Schrott und geht bestimmt bald kaputt.“ Der achtjährige Enno ist enttäuscht über die neue Ausstattung des Spielplatzes an der Weinsheimer Straße in Bad Kreuznach, auf dem er sich jeden Tag mit seinen Freunden trifft. Und das sagt er Heike Kaster-Meurer auch ins Gesicht. Die Bad Kreuznacher Oberbürgermeisterin ist Gast im Zelt am Bootshaus in Boos, wo 19 Kinder mit ihr über Kinderrechte diskutieren. Knapp die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Familien, die früher im Iran, im Irak, in Afghanistan oder in der Türkei zu Hause waren. Viele von ihnen leben in Bad Kreuznach und verbringen mit Gleichaltrigen aus der Kreisstadt sowie aus Bockenau, Staudernheim und Neubamberg zehn Tage am Ufer der Nahe beim Kanu fahren, Klettern, auf Fahrradtouren und Besuchen im Schwimmbad.
Spaß, Spiel und Freundschaften schließen stehen im Mittelpunkt, aber ganz nebenbei gibt es auch Lektionen in Demokratie. Diesmal steht das Thema Kinderrechte auf dem Programm. Wer in Deutschland aufgewachsen ist, bekommt sehr schnell mit, dass es nicht alle Kinder so gut getroffen haben. Manche von ihnen haben schlimme Erinnerung an die Flucht aus ihren Heimatländern, manche auch Erfahrungen mit Kinderarbeit. So berichtet ein Junge aus Afghanistan, das er seine Familie jeden Tag mit Wasser vom Brunnen versorgen musste. Als Neunjähriger schleppte er 30 Liter Wasser über mehrere Kilometer nach Hause. In kleinen Szenen thematisieren die Kinder das Recht auf Spiel, auf Schutz der Privatsphäre oder auf Gleichbehandlung von Jungen und Mädchen.
Dann wird die Oberbürgermeisterin mit Fragen gelöchert: Was unternimmt sie, wenn Kinder geschlagen werden? Wer entscheidet über die Bad Kreuznacher Spielplätze? Was macht sie den ganzen Tag? – Heike Kaster-Meurer hört aufmerksam zu, betont das Recht jedes Kindes auf Liebe, verspricht, sich um die Kritik an der Spielplatzgestaltung zu kümmern und erklärt ihre Arbeit. „Ich bin eine ziemliche Bestimmerin, aber ich kann nicht alles bestimmen, dazu gibt es den Stadtrat“, erläutert sie. Aber von der Diskussionskultur, die die Kinder in der Freizeit einüben, könne der Stadtrat noch etwas lernen, lautet ihr Resümee aus dem Gespräch, in dem jeder nur dann redet, wenn ihm das Wort erteilt wird.
Am Abend die Ereignisse des Tages Revue passieren zu lassen, ist ein wichtiges Element der Freizeit. „Mo ist unser Dolmetscher“, berichtet Ausländerpfarrer Siegfried Pick. Der Bad Kreuznacher Gymnasiast stammt aus dem Iran und kennt die Muttersprachen der Kinder. Zusammen mit Marlene (16) und Heike (28) gehört Mo (19) schon lange zum Team der ehrenamtlichen Betreuer, die zusammen mit Pick sowie den Jugendreferenten Stephanie Otto und Günter Kistner die Freizeit begleiten. Sie alle achten darauf, den Kindern ein Gefühl für Nachhaltigkeit zu vermitteln. So werden Milch, Quark und Käse beim Bauern eingekauft, Äpfel und Trauben in der eigenen Kelter zu Saft verarbeitet. „Wir haben für alle Fahrräder dabei, damit wir möglichst wenig das Auto benutzen müssen“, betont Stephanie Otto. Kochen und Küchendienst gehören ebenso zu den täglichen Pflichten wie das Sauberhalten des Hauses.
Marion Unger




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