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„Schlecht drauf“ oder depressiv?

7 Juli 2011 Noch kein Kommentar
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Schlecht drauf“ oder depressiv? Diese Frage wird in Deutschland zu selten gestellt, denn wer wirklich unter einer depressiven Verstimmung leidet, sollte so schnell wie möglich behandelt werden. Eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen, ist die Telefonseelsorge. In einem Pressegespräch in Mainz machten die Telefonseelsorge-Stellen in Rheinland Pfalz auf das Problem aufmerksam. An der Expertenrunde nahm auch Susanne Schmidt teil, evangelische Leiterin der ökumenisch geführten Telefonseelsorge Nahe-Hunsrück in Bad Kreuznach.

Die geschulten ehrenamtlichen Mitarbeiter der Telefonseelsorge erkennen die Anzeichen einer psychischen Erkrankung oft schneller als die Angehörigen eines Betroffenen“, erläutert die Diplom-Psychologin. Nach Erkenntnissen der Telefonseelsorge Rheinland-Pfalz leiden in Deutschland etwa vier Millionen Menschen an Depressionen. In unserer Leistungsgesellschaft ist sie ein schambesetztes Thema, denn hier sind Erfolg und Durchsetzungsvermögen gefragt. „Das Gefühl des Versagens und die Scham führen dazu, dass sich Betroffene eher zurückziehen, als Hilfe zu suchen“, sagt Susanne Schmidt.

Depression ist eine Erkrankung wie Bluthochdruck oder Diabetes und kein Ausdruck persönlichen Versagens. Auch so genannte Leistungsträger, Führungskräfte und Stars sind von Depressionen betroffen. Scham über die Depression macht einsam und führt schlimmstenfalls in den Selbstmord. Jährlich sterben in Deutschland etwa 10 000 Menschen durch Suizid, weil sie keine Hilfe fanden, sich nicht mehr mitteilen konnten, weil ihr Leiden nicht erkannt oder nicht ernst genommen wurde.

Auch im Bereich der Telefonseelsorge Nahe-Hunsrück, die Tag und Nacht für 400 000 Menschen im Bereich zwischen Wöllstein und Rhaunen, zwischen Bingen und Baumholder da ist, ist Depression ein wichtiges Thema. 14 Prozent der Gespräche drehten sich im vergangenen Jahr um psychische Krankheiten. Dabei nehmen Klagen über depressive Verstimmungen breiten Raum ein. „Für die Mitarbeitenden sind die Gespräche mit depressiven Menschen oft schwer auszuhalten“, erklärt Georg Krämer, katholischer Leiter der Telefonseelsorge Nahe-Hunsrück. „Daher ist dieses Thema auch immer wieder Gegenstand von Fortbildungen.“

Depression ist gut behandelbar“, betont Susanne Schmidt. Die Telefonseelsorge gebe anonym und kurzfristig konkrete Hinweise auf Therapiemöglichkeiten. „Allein das Gespräch mit jemandem, der weiß, wovon der Betroffene redet, ist schon eine erste wichtige Hilfe.“ Gerade im ländlichen Raum sei die Suche nach Selbsthilfegruppen und Therapieplätzen durch weite Wege erschwert. „Solche Schwierigkeiten kann die Telefonseelsorge überbrücken“, meint Susanne Schmidt. Text: Marion Unger

 

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