Gregor Au feiert sein Dienstjubiläum
Briefe, Gerichtshilfeberichte über junge Straffällige, Aktenvermerke und Bescheinigungen.
Gregor Au arbeitet im Schreibdienst des Jugendamtes. Doch sein Computer unterscheidet sich von jenen, an denen seine Kolleginnen und Kollegen der Stadtverwaltung ihre Texte tippen. Unter der Tastatur befindet sich ein Braille-Schrift-Display, das ihm ermöglicht Texte zu formatieren, Korrekturen vorzunehmen oder Befehle für Schriftgrößen und anderes einzugeben. Außerdem verfügt der PC über ein Sprachprogramm.
Denn Gregor Au ist blind. Als er 18 Monate alt war zerstörte ein Tumor die Netzhaut seiner Augen.
Nach Hauptschulabschluss und der Ausbildung zum Stenotypisten an der Blindenschule in Neuwied (1969 bis 1971) suchte Gregor Au mit Unterstützung seiner Mutter nach einem Ausbildungsplatz in einer öffentlichen Verwaltung. Zunächst vergebens, wurde er dann aber doch bei der Stadt Bad Kreuznach fündig. Zu dem Zeitpunkt beschäftigte das Jugendamt im Schreibdienst einen blinden Mitarbeiter, Alfred Gauer. „Das hat mir den Einstieg in die Arbeit leichter gemacht, weil bei den Kolleginnen und Kollegen schon das Verständnis da war.“ Heute sind seiner Einschätzung nach die Chancen auf Beschäftigung geringer geworden. „Durch die zunehmende Automatisierung gibt es immer weniger Arbeit für Blinde.“
Am 1. Oktober feiert Gregor Au sein Jubiläum „40 Jahre öffentlicher Dienst in der Stadtverwaltung“. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat er den technischen Fortschritt an seinem Arbeitsplatz gemeistert. Zunächst das Schreibmaschinenzeitalter, als die Berichte und Briefe noch auf Magnetplatten und Cassetten abgegeben wurden. 1995 bekam er seinen ersten Computer. „Dabei hat mir der Kollege Mario Holderbaum geholfen, dem ich dafür sehr dankbar bin.“ Nach einem mehrtägigen Lehrgang beherrschte er das PC-System für Blinde. Mittlerweile so gut, dass er in seiner Freizeit am Heimcomputer kleine Programme schreibt. „Der Computer war für mich als Blinden eine kleine Revolution, eine prima Sache.“
Blind sein behindert ihn auch nicht bei einem weiteren Hobby. „Ich spiele gerne Gitarre, früher sogar in Bands“, Und auch ohne die Hilfe seiner Tochter, die ihn jeden Tag von Weinsheim mit in die Stadt nimmt und ihn nach Feierabend wieder abholt, kommt der 57-Jährige gut zurecht. Seit einem Mobilitätslehrgang findet er den Weg vom Bus zum Büro mit einem weißen Stock von ganz alleine. Und dennoch: „Ohne die Unterstützung meiner Familie, insbesondere meiner Frau, könnte ich dieses Leben so nicht führen.“ Gregor Au denkt dabei als Griechenland-Fan an die schönen Urlaube, bei denen seine Frau viel zu organisieren hat. „Gemessen an der Situation anderer blinder Menschen bin ich privilegiert.“ So darf man sicherlich sagen: Gregor Au ist ein glücklicher Mensch.




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