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Wetter: Droht uns diesen Winter der große Blackout?

18 September 2011 Noch kein Kommentar
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Bereits im Mai warnten die großen deutschen Strombetreiber vor der Gefahr eines Blackouts im kommenden Winter. Besonders gefährdet soll Süddeutschland sein. Kein Wunder: In Süddeutschland ist es im Winter generell kälter als in der Nordhälfte.
Aus meteorologischer Sicht muss man bezüglich des kommenden Winters sagen: Es sieht nicht gut aus!

Diplom-Meteorologe Dominik Jung von Wetterportal WETTER.NET (www.wetter.net)
dazu: „Der Jahreszeitentrend unseres Langfristmodells Prognostica Magna geht
für die Wintermonate Dezember, Januar und Februar erneut von einem „zu
kalten“ Winter aus. Zu kalt bedeutet, dass die Temperaturen unter den
langjährigen Mittelwerten landen. Als langjähriges Mittel dient derzeit der
Zeitraum 1961 bis 1990. Das wäre der vierte zu kalte Winter in Folge und
damit eine kleine Sensation. Erinnern wir uns nur an die Aussagen einiger
Klimaexperten aus dem Jahr 2000. Damals hieß es: „Winter mit starkem Frost
und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht
mehr geben.“

„Die letzten drei Winter haben uns eines besseren belehrt, allein der
vergangene Dezember 2010 war der kälteste und schneereichste seit über 40
Jahren“ hält Jung dagegen.

Das Jahreszeitenmodell „Prognostica Magna“ wird seit über 10 Jahren von
WETTER.NET betrieben und ständig weiterentwickelt. Bereits im Vorfeld des
letzten Winters wurde ein überdurchschnittlich kalter und schneereicher
Winter prognostiziert. In der Tat gab es im Winter 2010/2011 zahlreiche
Schnee- und Kälterekorde. Auch der „warme Sonnenfrühling“ und der
„Zick-Zack-Sommer“ wurden im Vorfeld korrekt prognostiziert.

Die letzten drei Winter im Vergleich:

Winter 2008/2009 um 0,4 Grad kälter als im Mittel

Winter 2009/2010 um 1,4 Grad kälter als im Mittel

Winter 2010/2011 um 0,7 Grad kälter als im Mittel

Vergleicht man mit dem „neuen“ Mittel von 1981 bis 2010 fällt die Bilanz
noch eindeutiger aus:

Winter 2008/2009 um 1,0 Grad kälter als im Mittel

Winter 2009/2010 um 2,0 Grad kälter als im Mittel

Winter 2010/2011 um 1,3 Grad kälter als im Mittel

„Wir gehen in unserer Projektion für den kommenden Winter von einer
Durchschnittstemperatur von minus 1 Grad aus. Damit würde der Winter
2011/2012 im Vergleich zu den Jahren 1961 bis 1990 um rund 1,2 Grad kälter
ausfallen“ erklärt Wetterexperte Jung.

Damit landen wir irgendwo zwischen dem letzten und vorletzten Winter (siehe
Infografik). Allerdings gab es gerade in Süddeutschland in den letzten
beiden Wintern nicht sehr große Abweichungen vom langjährigen Mittel. Es war
eher der Norden der das „Minus“ verursacht hat. „Das wird im kommenden
Winter aber anders sein. Hier erwarten wir auch im Süden einen deutlichen
Peak nach unten – hin zu Kälte, Eis und Schnee“ so Jung.

Der kommende Winter könnte somit nach der Projektion von WETTER.NET das von
den Strombetreibern angemahnte Szenario schneller wahr werden lassen, als
uns lieb ist. Durch die Kälte würde der Stromverbrauch erneut sprunghaft in
die Höhe schnellen. Und das nicht nur in Deutschland. Auch unsere
unmittelbaren Nachbarn wären betroffen und müssten mit höherem
Stromverbrauch rechnen.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Im Notfall könnten wir aus diesen Regionen
kaum mit Entlastung im Form von zusätzlichen Stromlieferungen rechnen.
Frankreich hat bereits erklärt im kommenden Winter deutlich weniger Strom
abgeben zu wollen, als noch im letzten Winter. Damals gab es aufgrund der
Stromabgabe ins Ausland im eigenen Land Engpässe bei der Stromversorgung.
Das will man im kommenden Winter unbedingt vermeiden. Insgesamt fehlen laut
den großen deutschen Stromkonzernen 8000 Megawatt-Stunden an Strom aufgrund
der abgeschalteten Atomkraftwerke. Kein Atomkraftwerk ist als Kaltreserve
vorgesehen. Das sollen die wenig umweltfreundlichen Kohlekraftwerke
übernehmen. Dazu werden unter anderem auch in Österreich bereits
„eingemottete“ Kohlekraftwerke wieder reaktiviert.

„Das alles wirkt sich natürlich auch negativ auf die Klimabilanz aus“
kritisiert Jung.

Aber nicht nur im Stromnetz droht Gefahr: Auch die Deutsche Bahn dürfte
mächtig in die Bredouille geraten, hat der neue Chef doch gerade erst vor
wenigen Tagen eingestanden, dass man auf einen erneuten strengen Winter
eigentlich gar nicht vorbereitet sei.

Die Sorge über einen neuen Eiswinter ist auch bei Städten und Kommunen sehr
groß. „Dies stellen wir besonders bei der hohen Nachfrage nach unserem
Straßenwetterbericht für den Winter fest“ so Diplom-Meteorologe Jung.

Jungs Warnung: Dieser Winter kann ziemlich „heiߓ werden – allerdings im
übertragenen Sinn! Der Winter startet Ende November und es gibt in
Deutschland noch viel zu tun!

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