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Vizeweltmeistertitel für Frank Wilbert

17 Oktober 2011 Noch kein Kommentar
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Mit dem Vizeweltmeistertitel kam unser Lifetime-Ballonpilot Frank Wilbert von der offiziellen Weitfahrweltmeisterschaft im Gasballon – dem Gordon-Bennett-Rennen – aus Frankreich zurück. Frank startete beim härtesten Wettbewerb in der Szene als Co-Pilot im Team Deutschland II. Gemeinsam mit Pilot Matthias Zenge aus Thüringen begann die Fahrt im französischen Gap.

Bei wahrem Bilderbuchballonfahrtwetter erlebten die beiden Piloten eine wunderbare Fahrt, unter anderem über die Alpen, den Gardasee und Insbruck. Nach rund 20 Stunden und über 640 Kilometern landete Team „Deutschland II“ in Piding bei Bad Reichenhall. Trotz klarem und sonnigem Wetter stellen derartige Weitfahrten wahrlich kein Zuckerschlecken dar – Ausdauer, Aufmerksamkeit und taktisches Geschick sind beim stetigen Kampf gegen die Müdigkeit harte Voraussetzungen, viele Stunden hoch über dem Boden im Ballon zu überstehen.

Nachts gegen 0 Uhr durfte das Team an zehnter Stelle von insgesamt zwölf Ballons starten. Die Startreihenfolge losen die Verantwortlichen aus. Den Startplatz im hinteren Feld bezeichnet Frank keines Wegs als gut. Denn die erste Hürde war es, erstmal an den anderen Ballons vorbei zu kommen. Bei einer Windgeschwindigkeit von durchschnittlich 50 Kilometern pro Stunde nicht wirklich leicht. „Das war uns von Anfang an klar“, erinnert sich Frank. Daher legten die beiden Piloten schon vor dem Start fest, schnell viel Ballast fallen zu lassen um in die schnellsten Luftschichten auf etwa 6000 Metern Höhe zu gelangen. Während der gesamten Fahrt mussten die Ballonpiloten Sauerstoffmasken tragen. „In der Höhe geht es ohne nicht mehr“. Eine weitere Prämisse dieser Taktik war die deutliche Begrenzung der Fahrzeit. Denn ist der als Ballast mitgeführte Sand – etwa 500 Kilogramm in Säcken – mal leer, lässt sich der Gasballon nicht mehr nach oben steuern. Anders als bei Heißluftballons, die durch Nachheizen der Luft oder dem Abkühlen lassen nach oben und unten gesteuert werden können, ist dies bei Gasballons nicht möglich. Die prall mit Wasserstoff befüllte Hülle trägt nach oben, da das Gas leichter ist als die Umgebungsluft. Obwohl der Hüllenstoff fast gasdicht ist, verliert der Ballon dennoch nach und nach Wasserstoff, was zum Absinken führt. Um gegenzusteuern wird Gewicht abgeworfen. „Ist der Ballast aufgebraucht, ist die Fahrt zu Ende“, weiß Frank.

Dennoch war es für „Deutschland II“ die einzige Chance, überhaupt nach Vorn zu kommen, zumal schon klar war, dass in der darauffolgenden Nacht ein Gewitter aufziehen wird, in das man es tunlichst vermeiden sollte, hinein zu fahren. Denn schlägt ein Blitz in den mit brennbarem Wasserstoff gefüllten Ballon ein, verheißt das nichts Gutes. Erst im vergangenen Jahr kamen beim Gordon-Bennett-Rennen zwei amerikanische Piloten ums Leben, nachdem sie vom Blitz getroffen wurden. „Das wollten wir natürlich auf gar keinen Fall“. Auch in der Nacht zu landen, vermieden die beiden. „Die Taktik war so ausgelegt, dass wir gegen 20 Uhr landen mussten und bis dahin das best mögliche Ergebnis erreichen konnten“.

Die Strategie ging auf, der Ballon passierte schnell nach dem Start das gesamte Teilnehmerfeld und setzte sich an die Spitze. Nach der Landung um 20 Uhr sah es lange nach dem Weltmeistertitel aus. Entgegen jeder Vernunft fuhr ein französisches Team aber in die Nacht und auch in das Gewitter hinein. Erst gegen 3 Uhr setzten die Kontrahenten ihren Ballon wieder auf die Erde – die zurückgelegte Distanz von Frank wurde übertroffen. Somit konnten sich die Franzosen den Weltmeistertitel sichern, brüskierten damit aber die Ballonwelt. „Mit diesem Vorstoß haben sie klar gegen einen Ehrenkodex verstoßen“, bemerkt Frank. Gerade nach dem schlimmen Zwischenfall vom letzten Jahr hätten sie dies nicht machen dürfen.

Aber Verdruss, den greifbaren Weltmeistertitel auf diese Weise doch nicht gewonnen zu haben, ist bei Frank keineswegs zu bemerken. Über das geleistete und den Vize ist er zu Recht stolz. Freundin Corinne empfing den Ballonfahrer zuhause mit einem Plakat mit der Aufschrift „Sieger der Herzen“ – und so fühlt er sich auch.

Im nächsten Jahr wird Frank gemeinsam mit Matthias Zenge wieder beim Griff nach der Krone im Ballonsport angreifen – dann in der Schweiz und vielleicht mit dem Weltmeistertitel als Ergebnis.

Das Lifetimeteam drückt jedenfalls kräftig die Daumen.

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