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Deutliches Zeichen gegen rechtsradikales Gedankengut…

21 November 2011 Noch kein Kommentar
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Rund 350 Menschen setzten am Mahnmal „Feld des Jammers“ in Bretzenheim bei Bad Kreuznach ein deutliches Zeichen gegen rechtsradikales Gedankengut. In einem Friedensgebet des evangelischen Kirchenkreises An Nahe und Glan protestierten sie gegen den Missbrauch des Gedenkortes als Ziel rechtsradikaler Gruppierungen. An der Kundgebung nahmen auch Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und die Vorsitzende der rheinland-pfälzischen CDU, Julia Klöckner, sowie Landtagsabgeordnete und zahlreiche Kommunalpolitiker aller demokratischen Parteien teil. 

 

Das Mahnmal auf dem Gelände eines ehemaligen amerikanischen Kriegsgefangenenlagers hat sich zur Pilgerstätte von Neonazis verschiedener Couleur entwickelt. Alljährlich halten sie dort am Totensonntag eine so genannte „Totenehrung“ ab. Der Kirchenkreis rief dagegen zur Erinnerung an alle Opfer von Krieg und Faschismus auf. Superintendent Marcus Harke und der Dechant des katholischen Dekanats Bad Kreuznach, Günter Hardt, schlossen die Gedenkstunde mit einem Friedensgebet.

 

Zuvor waren 26 NPD-Anhänger mit schwarzen Fahnen am Mahnmal aufmarschiert, während die Gegendemonstranten hinter Absperrgittern warteten und sie mit Rufen wie „Kein Platz für Nazis“ empfingen. 30 Minuten später, als die Gruppe das Terrain wieder verlassen hatte, begann das Gedenken des Kirchenkreises. Nach dem Friedensgebet mussten dessen Teilnehmer die unmittelbare Umgebung des Mahnmals verlassen, um wiederum dem früheren NPD-Landesvorsitzenden Wilhelm Herbie und seinen 30 Anhängern Platz zu machen. 150 Polizisten hielten die Gruppen auf Abstand voneinander.

 

Ministerpräsident Beck sprach sich erneut für ein Verbot der NPD aus, die nicht weiter durch Steuermittel finanziert werden dürfe. „Es ist eine Schande für uns alle, dass es vor dem Hintergrund von rechtsradikalen Gewalttaten zu einer Vielzahl von Auftritten von Neonazis gekommen ist“, erklärte Beck und nannte dabei unter anderem Remagen und Bretzenheim. So werde versucht, das Andenken von Menschen, die hier gestorben seien, „in übelster Weise zu missbrauchen“. Beck dankte allen, die sich gegen den Missbrauch des Mahnmals engagierten und so Zivilcourage zeigten. „Sie treten denen entgegen, die das Gedenken in verblendete Ideologien ummünzen“, erklärte Beck und betonte: „Das lassen wir uns in Deutschland nicht wieder gefallen.“ Der Verführung junger Menschen müsse mit Information und Bildung begegnet werden. Gleichzeitig lud der Ministerpräsident alle ein, die aus rechtsradikalen Gruppierungen aussteigen wollen. Ihnen werde geholfen, alle anderen müssten strafrechtlich verfolgt werden.

 

Als „Geschenk der Geschichte“ bezeichnete Landrat Franz-Josef Diel (CDU) die 66 Jahre Frieden nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieses Geschenk dürfe nicht wieder zerstört werden, sagte Diel und rief dazu auf, rechtsradikalen Aktivitäten nicht zuzusehen, sondern dagegen Verantwortung zu übernehmen.

 

In dem Lager auf freiem Feld vor den Toren von Bad Kreuznach waren von 1945 bis 1948 zahlreiche deutsche Kriegsgefangene unter unmenschlichen Bedingungen interniert, viele von ihnen kamen ums Leben. „Sie waren Opfer einer wahnsinnigen Ideologie; viele von ihnen waren aber auch Täter“, betonte Hans Zahn, der als Mitglied des Kreissynodalvorstands des Kirchenkreises An Nahe und Glan die Veranstaltung moderierte. „Die Männer, die hier den Tod fanden, haben es nicht verdient, von verblendeten Neonazis als Helden verklärt zu werden“, meinte Zahn und unterstrich: „Sie verdienen unsere Achtung, denn sie haben unsagbares Leid erduldet.“

 

Die Leiden der Opfer der Nazidiktatur beschrieben Sarah Feres und Diakon Andreas Duhrmann. Sie erinnerten an den Pogrom vom November 1938, als sich der Hass gegen jüdische Mitbürger entlud. „Hätten Christenmenschen damals dagegen protestiert, hätte es vielleicht keinen Krieg gegeben; die Hetze gegen anders Denkende und Glaubende begann schon früher“, meinte Duhrmann. Beide berichteten von einer Reise, die junge Leute aus dem Kirchenkreis vor wenigen Monaten in das Konzentrationslager Auschwitz unternommen hatten. Von einer Eiche, die dort am Ufer der Teiche mit der Asche aus den Krematorien steht, brachten sie Eicheln mit, aus denen bereits ein neuer Baum gewachsen ist. Einige davon überreichten sie Ministerpräsident Beck und Landrat Diel.

 

Zufrieden mit dem Ablauf der Gedenkfeier zeigte sich Pfarrer Siegfried Pick. „Wir danken allen, die zu diesem eindrucksvollen Zeichen gegen Rechtsextremismus beigetragen haben“, erklärte Pick. Der Pfarrer für Ausländerarbeit im Kirchenkreis verwies auf die Arbeit des „Bündnis gegen rechts“, das diese Veranstaltung wesentlich mit trägt und organisiert und in dem sich verschiedene Akteure aus politischen Parteien, Kirchen und Gewerkschaften, dem Kreisjugendring und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes kontinuierlich mit diesem Thema beschäftigen. 

 

Marion Unger  

Bild: 350 Menschen, darunter Ministerpräsident Kurt Beck, folgten der Einladung des Kirchenkreises An Nahe und Glan zum Friedensgebet und zur Kundgebung gegen den Missbrauch des Mahnmals „Feld des Jammers“ durch Rechtsradikale.

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