Podiumsdiskussion Friedensverein informierte sich über die Armut vor Ort
Hilfe durch Ehrenamtliche und Sponsoren - Die sozialen Systeme müssen funktionieren, damit in der Gesellschaftsstruktur keine Schieflage eintritt. Wie sieht es damit in Bad Kreuznach aus? Diese Frage diskutierte der Friedensverein „Hand in Hand“ Bad Kreuznach mit den Experten Sabine Altmeyer-Baumann (Tafel), Doris Häfner-Kairo (Café Bunt), und Bruder Ralf Zimmer (Reling) in einer von Christiane Schneider und Fatma Kismetli moderierten Podiumsdiskussion unter dem Thema „Frieden vor Ort“ in der „Galerie 60“.
Um die Bewältigung der Armut in Bad Kreuznach wäre es schlecht bestellt, gäbe es nicht eine wachsende Zahl von ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren, die die Arbeit von Institutionen wie Reling, Tafel und Café Bunt unterstützen, so die Feststellung der Experten. Von der Politik werde das Engagement der Ehrenamtlichen gerne hochgejubelt, so Sabine Altmeyer-Baumann. Trägt es doch zur Entlastung des Sozialsystems bei. Zu Jubeln gebe es aber überhaupt nichts, da nach Ansicht der Experten die Sozialgesetze in vielen Fällen entweder lückenhaft seien oder von den Behörden nicht im Sinn der betroffenen Menschen angewendet würden.
Doris Häfner-Kairo skizzierte die Arbeit im Café Bunt, wo Frauen den Tagesaufenthalt nutzen, in einer Notunterkunft Schutz finden oder in Problemsituationen beraten werden. 2010 ist die Einrichtung 6304 Mal in Anspruch genommen worden, es hat 837 Übernachtungen und 4948 Tagesaufenthalte gegeben. Zwei Betten für Übernachtungen seien zu wenig, sagte Häfner-Kairo. Die seit 15 Jahren bestehende Einrichtung habe immer nur mit Spenden auskommen müssen. „Schön wäre es, wenn eine Regelfinanzierung da wäre“, so der Wunsch aus dem Café Bunt.
Auch Franziskanerbruder Ralf Zimmer, der den Tagesaufenthalt Reling seit zwei Jahren leitet, ist auf Spenden angewiesen. Wohnungslose erhalten hier von Montag bis Freitag ein Frühstück, in der Spitze nutzen 137 Personen dieses Angebot. Für die Körperpflege stehen Dusche, Waschmaschine und Trockner zur Verfügung. Die Reling sei aber vor allem Ansprechpartner für Notsituationen, Vorsorge sei wichtig. Insofern leiste die Reling einen großen Beitrag zum „Frieden vor Ort“.
Das gilt auch für die Tafel, die den Treffpunkt Reling mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln versorgt und dafür im Lauf der Woche bei Discountern, bei Einzelhändlern oder in den Kirchengemeinden sammelt. 389 Haushalte sind bei der Tafel gemeldet, 832 Personen nutzen deren Angebot, davon mehr als 200 Kinder und Jugendliche. Nur 3 Prozent des Personenkreises stehe in Arbeit, der Lohn reiche aber zum Unterhalt nicht aus, so die Koordinatorin der Tafel, Sabine Altmeyer-Baumann. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns gehört daher zu ihren Hauptforderungen.
Mehmet Kiliç, Vorsitzender des Friedensvereins und Initiator der Podiumsdiskussion, würdigte die Arbeitsleistung der Organisationen und sprach sich für eine stärkere Einflussnahme auf den Ebenen aus, auf denen gesetzliche Entscheidungen getroffen werden.




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