Gegen Einsparvorschläge
im Bereich der Kindertagesstätten, über die der Kreistag Bad Kreuznach in seiner Sitzung am Montag entscheiden soll, wendet sich der evangelische Kirchenkreis An Nahe und Glan. Superintendent Marcus Harke befürchtet, dass die Kindergärten in ihrem Alltagsbetrieb durch die Sparpläne erneut in eine chronische Unterbesetzung zurückfallen könnten. „Die Suche nach Einsparungsmöglichkeiten ist für alle nachvollziehbar, nicht jedoch, wenn die begonnene politische und inhaltliche Arbeit dadurch untergraben würde“, erklärt Harke. 
Der Superintendent spricht damit eine Vorlage an, nach der die Freistellung für Leitungsaufgaben im Kita-Betrieb im Rahmen des kommunalen Entschuldungsfonds zurückgenommen werden sollen. Harke fordert die Kreistagsmitglieder auf, ihre Entscheidung genau zu überdenken und appelliert an die Verantwortung der Städte und Gemeinden, die Qualität der Arbeit in den Kindertagesstätten nicht auszuhöhlen. Der Kreisjugendhilfeausschuss hat sich mit großer Mehrheit gegen die Zurücknahme der Leitungsfreistellungsstunden ausgesprochen.
Die Entlastung vom Gruppendienst für Leitungsaufgaben war erst vor zwei Jahren vom Kreistag beschlossen worden. Die rheinland-pfälzischen Landesgesetze bieten dafür die Möglichkeit, sie ist jedoch nicht verpflichtend. 2009 entschieden Kreisjugendhilfeausschuss und Kreistag, den Trägern von Kitas Personalstunden für die Leitung zu gewähren. Begründet wurde der Beschluss mit den wachsenden Anforderungen an die Einrichtungen durch bildungs- und familienpolitische Vorgaben. Das bedeutete drei Stunden Entlastung pro Gruppe und weitere drei Stunden pro Einrichtung, die der Kreis mit dem gesetzlichen Anteil an den sonstigen Personalstunden in Kitas in Höhe von 40 Prozent finanziert.
Eine viergruppige Einrichtung mit hundert Plätzen bekommt damit derzeit 15 Wochenstunden für Leitungsaufgaben, eine dreigruppige Einrichtung mit 75 Plätzen zwölf und eine zweigruppige Kita neun Stunden. Die meisten Kindergärten, darunter alle zwölf in evangelischer Trägerschaft, haben zusätzliche Personalstunden für Leitungsaufgaben eingeführt, obwohl der eigene Kostenanteil damit in die Höhe ging. Trotz der Finanznot der Kirchengemeinden haben diese sich entschieden, die Leitungsfreistellung mit zu finanzieren, um Qualität und Professionalität der Arbeit zu gewährleisten. Das war mit neuen Arbeitsverträgen verbunden, die jetzt kaum rückgängig gemacht werden können.
„Diese Freistellungsstunden wieder zurückzunehmen konterkariert die bildungspolitischen Schwerpunktsetzungen fast aller Parteien und die Ergebnisse von Wirtschaftsgutachten“, erläutert Superintendent Marcus Harke. Der an den Aufgaben gemessen relativ geringe Umfang der Freistellungsstunden ist in seinen Augen „ein falsches Zeichen für ein Arbeitsfeld, das sich ohnehin in einem komplexen Umgestaltungsprozess befindet“. Da die Leitungsaufgaben mit oder ohne finanziellen Beitrag des Landkreises erledigt werden müssen, gehen die Arbeitsstunden der Leitung einer Kita fast im vollen Umfang in den Personalschlüssel ein. Im Kindergartenalltag bedeutet dies, dass bei acht bis neun Stunden täglicher Öffnungszeit immer häufiger nur eine Person in der Gruppe tätig ist.Â




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